ANDROID PARANOID | Architecture, invisibility and digital culture

Symposium „ANDROID PARANOID“

Architecture, invisibility and digital culture

13. März 2015 | Text: Nadin Heinich, Fotos: Edward Beierle
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Internationales performatives Symposium anlässlich der Munich Creative Businessweek MCBW 2015

Vom 21. Februar bis 1. März verdichtete sich in München anlässlich der 4. Ausgabe der Designwoche Munich Ceative Business Week der internationale Diskurs über aktuelle Entwicklungen aus Design und Architektur. Das internationale performative Symposium „ANDROID PARANOID – Architecture, invisibility and digital culture“, das am 24.2.2015 stattfand, erweiterte den Diskurs um eine der aktuell zentralsten Fragen innerhalb der Gestaltungspraxis: „Was bedeutet digitale Baukultur heute?“.

Liam Young

Liam Young

Publikum

I am smart, but my brain is run in California…

In Vorträgen, Performances und Filmscreenings wurden die über 200 Gäste mitgenommen auf eine Reise durch aktuelle Zukunftsszenarien. Internationale Architekten, Zukunftsforscher, Kritiker und Kuratoren diskutierte den doppelbödigen Einfluss der Digitalisierung auf Architektur und unsere Städte, die Macht des Big Data, Smart Cities und deren Verwundbarkeit, die Idee von (Selbst-)Kontrolle und Transparenz. Eingeladen auf dieses experimentelle Podium hatte das Münchner Büro „plan A – office for architectural communication and urban culture“. Gefördert wurde der Abend, neben dem Bayerischen Wirtschaftsministerium, unter anderem von FSB.

Der in Australien geborene Architekt und Gründer des Think Tanks „Tomorrow’s Thoughts Today“, Liam Young, (Princeton, AA, London), eröffnete das Symposium mit einer Lecture Performance und lotse die Gäste durch urbane Zukunftsszenarien, in denen das digitale und das Materielle, das Natürliche und das Künstliche, verwischen.

Architektur von und für Maschinen entworfen – Entwicklungen, die bei den Datencentern von Facebook oder den nach Algorithmen sortierten riesigen Warenlagern von Amazon bereits heute ablesbar sind. Warum Städte um so anfälliger werden, je vernetzter sie sind, und welche Gefährdungsszenarien durch Cyberwar uns in Smart Cities erwarten, skizzierte Florian Rötzer (Journalist, Gründer und Chefredakteur des Online-Magazins Telepolis, München) in seinem Vortrag.

Der Architekt und Forscher Jan Willmann, Oberassistent am Lehrstuhl für Digitale Fabrikation von Gramazio Kohler an der ETH Zürich, stellte aktuelle Forschungsprojekte zum Bauen mit Robotern vor – architektonische Grundlagenforschung, die die ästhetische Dimension, aber auch unser Denken von Architektur einschließlich unserer Vorstellung von Robotern verändern wird.

Zur Idee der Transparenz in westlichen Demokratien, der behaupteten Transparenz öffentlicher Einrichtungen, der angebliche Schutz der persönlichen Privatsphäre versus der Praxis staatlicher Überwachung, der Rolle, die das Internet, Hacker und Whistleblower dabei spielen, sowie der Wirkmacht der Bilder, sprach Daniel van der Velden von Metahaven (Design und Research Studio, Amsterdam).

Der Leiter des Berliner Medienkunstfestivals transmediale, Kristoffer Gansing, nahm schließlich die gesamtgesellschaftliche Perspektive ein: Was bedeutet digitale Kultur heute? In einer von Algorithmen beherrschten Gesellschaft, in der ständig unsere Daten erfasst werden, kann unsere Produktivität in allen Lebensbereichen gemessen werden. Die Smart Cities werden immer vernetzter und effizienter – und wir optimieren uns selbst immer mehr, um immer leistungsfähiger zu werden?

Der Abend wurde durch ein Filmscreening des russischen Künstlers Andrey Yagubsky (Moskau) sowie Musik von David Letellier (Berlin) erweitert. Kuratiert und moderiert wurde das Symposium von Nadin Heinich (Kuratorin, Autorin, Gründerin von plan A).