Architecture Matters

Architecture Matters

International Event on Architecture, Society and the Future

18. März 2016 | Text: Nadin Heinich, Fotos: Tanja Kernweiss
Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten, 45 Sekunden

Sold out! Mit über 250 Gästen fand am 19. Februar 2016 der Kick-off von ARCHITECTURE MATTERS statt. Ein neues, internationales Architektursymposium – von nun an einmal im Jahr in München.

250 Gäste beim Kick-off von ARCHITECTURE MATTERS

Munich Session in der bis auf den letzten Platz besetzten Reaktorhalle

Bei ARCHITECTURE MATTERS geht es um den Unterschied, den gute Architektur bewirken kann. Architektur nicht reduziert auf schönen Formen oder als Kostentreiber, sondern als kulturelle Kraft, die das gesellschaftliche Leben erfasst und in seiner Vielfalt zu gestalten weiß. Als Katalysator für Erneuerung. Eingeladen sind einige der besten jungen Architekten aus der ganzen Welt, um ihre Projekte und Visionen vorzustellen und in Dialog mit der Münchner Szene zu treten. Mit Vorträgen, Performances, Diskussionsrunden und musikalischen Pausen. ARCHITECTURE MATTERS richtet sich dabei an Architekten, Vertreter der Immobilienbranche und Politik, an Hersteller und die interessierte Öffentlichkeit. Konzipiert und organisiert von plan A, supported by FSB.

Nadin Heinich, plan A, Initiatorin Architecture Matters
Publikum bei Architecture Matters
David Van Severen vom Office Kersten Geers David Van Severen aus Brüssel

David Van Severen, Office Kersten Geers David Van Severen, Brüssel

Eröffnet wurde das Symposium von David Van Severen von Office Kersten Geers David Van Severen aus Brüssel. 2008 wurde das Büro als Kuratoren des belgischen Pavillons auf der Architekturbiennale in Venedig mit „After The Party“ und Konfetti auf dem Fußboden international bekannt, zwei Jahre später gewannen sie den Silbernen Löwen. Aktuell unterrichten sie an der Yale und sind die Kuratoren der diesjährigen Ausgabe der Biennale Interieur in Kortrijk, Belgien. Die Karriere von Harry Parr, ein Teil des Duos Bompas & Parr aus London, gründet auf seinen außerordentlichen Fähigkeiten bei der Herstellung von Wackelpudding. Von Fosters Millennium-Whobbeling-Bridge bis zu ganzen Flughäfen hat er schon eine Vielzahl von Gebäuden aus Götterspeide nachgebaut. Gelegentlich kochen Bompas & Parr auch mit Lava oder mit Blitzen und erschaffen diverse andere kulinarische Inszenierungen, mit denen sie unsere Geschmacksnerven ausreizen. Die Jungs arbeiten nach einem straffen Zeitplan. 22 Personen beschäftigt das Studio derzeit, zu den Kunden zählen Selfridges, Louis Vuitton oder Mercedes-Benz, dazu kommen Ausstellungen im Victoria & Albert Museum, dem Salone del Mobile in Mailand oder dem Sex Museum in New York.

Performance-Lecture mit Bompas & Parr

Performance-Lecture mit Bompas & Parr

Harry Parr. Bompas & Parr, London

Harry Parr (Bompas & Parr, London)

Obwohl – oder gerade weil – alle drei bekannte Münchner Gesichter sind, war auch die Munich Session mit dem Architekten Peter Haimerl, Matthias Lilienthal, Intendant der Münchner Kammerspiele, und Stefan F. Höglmaier, Gründer und Geschäftsführer der Euroboden Gruppe, sehr gut besucht. Wer baut was wann wie wo und warum? Müssen Architekten ihre Aufträge viel stärker selbst generieren? Kann man mit guter Architektur gutes Geld verdienen? Tun Installationen wie Lilienthals „Shabby Shabby Apartments“ im getrifizierten Münchner Herz und Stadtzentrum heute noch jemandem weh?

International wurde es wieder mit Ole Scheeren: Mit 14 fing er an zu entwerfen, mit 21 baute er das erste eigene Haus und tourte durch China, mit 31 wurde er Partner bei OMA, verantwortlich für das Asiengeschäft und plante mit CCTV das zweitgrößte Bürogebäude der Welt. Seit 2010 betreibt der heute 44-Jährige ein eigenes Architekturbüro mit Niederlassungen in Peking, Hongkong und Bangkok und seit Herbst 2015 einer Dependance in Berlin. Chinesische Geschwindigkeit trifft auf deutsche Gemütlichkeit? Von wegen! Sein erstes Hochhaus außerhalb Asiens plant er gerade in Vancouver.

Und dann kamen noch die Russen. Mit Wowhaus war eines der derzeit besten und wichtigsten russischen Architekturbüros in München. Gebäude als exzentrische Objekte haben Wowhaus nie interessiert. Ihr Fokus lag von Anfang an auf Kulturbauten und dem öffentlichen Raum – ein in Moskau lange Zeit kaum beachtetes Thema. Dmitry Likin (*1966) und Oleg Shapiro (*1962), beide ausgebildete Architekten, gründeten ihr Büro 2007. In den wilden 1990ern hatten sie keine Lust, protzige Paläste für Neureiche zu entwerfen. Likin wurde Chefdesigner des Fernsehsenders Channel One, Shapiro verkaufte Helikopter. Ihre Bau-Zeit begann mit dem Aufbruch nach der Abdankung des langjährigen Moskauer Bürgermeisters Luschkow. Populär wurden Likin und Shapiro mit dem Entwurf für das Strelka Institut und der Neugestaltung des Gorki Parks. Moskau bräuchte mehr solche Büros!

Für die Musik vor, während und nach dem Symposium war Mirko Hecktor verantwortlich. Kuratiert wurde der ganze Tag von plan A-Gründerin Nadin Heinich, moderiert von ihr gemeinsam mit Nan Mellinger und Mathieu Wellner. Wir sind gespannt auf 2017!