Architektur & Baukultur in Neumarkt Oberpfalz

„Architektur & Baukultur“ in Neumarkt

Hotspot Oberpfalz

17. Oktober 2016 | Text: Jasmin Jouhar
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Johannes Berschneider ist ein Mann mit Mission: Der 64-jährige Architekt hat seine Heimat Neumarkt in der Oberpfalz zu einem Hotspot der Baukultur gemacht. Wie er das geschafft hat? Mit viel Engagement, guten Beziehungen und gelegentlich ein wenig Hartnäckigkeit.

Sie wissen nicht, wo Neumarkt in der Oberpfalz liegt? Dann haben Luigi Snozzi, Meinhard von Gerkan, Mario Botta, Armando Ruinelli, Hilde Léon, Christoph Mäckler, Enrique Sobejano und Jacob van Rijs Ihnen aber etwas voraus. Sie alle nämlich und rund 80 weitere namhafte Architekten aus dem In- und Ausland sind seit 2001 in die 40.000-Einwohner-Stadt zwischen Nürnberg und Regensburg gekommen. Auf Einladung des BDA-Kreisverbandes Niederbayern-Oberpfalz, um in der Vortragsreihe „Architektur & Baukultur“ ihre Arbeit zu präsentieren. Treibende Kraft dahinter ist Johannes Berschneider, der in seiner Zeit als Vorsitzender des Kreisverbandes die Vortragsreihe angeschoben hatte und sie bis heute organisiert. Für die sechs Termine im Jahr gelingt es ihm immer wieder, große Namen in die vermeintliche Architektur-Provinz zu holen.

Das Geheimnis des Erfolgs? Es ist zweifellos Berschneiders persönliches Engagement für Baukultur und Architekturvermittlung, das die Vortragsreihe zu einer glaubwürdigen Sache macht. Mancher Wunschkandidat musste mehrmals angeschrieben oder angerufen werden, bevor er zusagte. Aber irgendwann kommen sie alle. Auch die große Kontinuität ist wichtig, die Vorträge haben mittlerweile ein richtiges Stammpublikum. Zu jedem Abend kommen bis zu 300 Zuschauer, darunter viele interessierte Laien. Sie erwartet nicht nur ein Einblick in die zeitgenössische Architektur, sondern auch ein besonderer Ort: Der Schauplatz der Vorträge ist das Museum für historische Maybachfahrzeuge, untergebracht in einem ehemaligen Fabrikgebäude in Neumarkt – übrigens umgebaut von Berschneider & Berschneider Architekten. Das Vortrags-Konzept überzeugt auch die Industrie, so dass immer genug Sponsoren bereitstehen. Auch FSB unterstützte die Reihe von Beginn an.

Doch Johannes Berschneider holt nicht nur die Architekturwelt in die bayerische Provinz. Er hat im vergangenen Jahr auch ein Buch über die Architekturgeschichte Neumarkts nach dem Zweiten Weltkrieg herausgebracht. Ein gut recherchierter, voluminöser Band, der der Welt die Architektur aus der Provinz zeigt. Und dabei beweist, dass die lokalen Baumeister dicht dran waren an den großen Fragen und Strömungen ihrer Zeit. Vom Wiederaufbau bis in die achtziger Jahre hinein dokumentiert „Baukultur Neumarkt“ die maßgeblichen Projekte der Region und stellt ihre Architekten vor. Mit historischen Fotos und Planmaterial, mit Kurzbiografien und Interviews gelingt dem Buch eine umfassende, lebendige Darstellung des Baugeschehens. Ein aufwändiges Projekt, das Berschneider übrigens wie die Vorträge auch „nebenbei“ gestemmt hat, neben der Arbeit im Architekturbüro.

Und die nächste Publikation ist schon in Planung. Zum 100. Vortrag in der „Architektur & Baukultur“-Reihe im Jahr 2018 soll eine Dokumentation der ersten 99 Vorträge erscheinen. Und bis dahin stehen ja auch noch eine Reihe von Architekten-Auftritten an, als nächstes kommen Stefan Forster aus Frankfurt, Max Bögl aus München und Thomas Padmanabhan und Oliver Lütjens aus Zürich nach Neumarkt, zu diesem Hotspot der zeitgenössischen Architektur in der beschaulichen Oberpfalz.

Die nächsten Vorträge:

  • Mittwoch, 19. Oktober 2016, 19 Uhr
    Stefan Forster
, Frankfurt am Main
    Werkbericht „Stadt und Haus“
  • Mittwoch, 9. November 2016, 19 Uhr
    Max Bögl, München
    Werkbericht „Maß und Masse“
  • Mittwoch, 30. November 2016, 19 Uhr
    Lütjens Padmanabhan Architekten
, Zürich
    Werkbericht „Nach dem Kontext“