Architektur Biennale Venedig 2018 | Vorschau Freespace Yvonne Farrell Shelley McNamara

Freespace: Vorschau auf die Ausstellung der 16. Architekturbiennale in Venedig

Vielversprechend vage

8. Mai 2018 | Text: Jasmin Jouhar, Fotos: La Biennale di Venezia
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Ende dieses Monats ist es soweit: Die 16. Architekturbiennale in Venedig beginnt. In diesem Jahr verantworten die Architektinnen Yvonne Farrell und Shelley McNamara von Grafton die Hauptausstellung unter dem Titel „Freespace“. Ein Ausblick auf das, was die Besucher in Arsenale und Biennale-Pavillon erwartet.

Zur Biennale in Venedig versucht die Architekturwelt alle zwei Jahre eine Standortbestimmung und Selbstvergewisserung. Nicht unwichtig dabei: das Motto der von wechselnden Kuratoren verantworteten Hauptausstellung, die die Länderpräsentationen in den Pavillons flankiert. Denn das Motto setzt den Ton für die ganze Biennale. In diesem Jahr also „Freespace“ oder „Freiraum“: Das klingt offen, freundlich, vielleicht ein wenig esoterisch. Aber auf jeden Fall weniger kämpferisch als Alejandro Aravenas „Reporting from the Front“ vor zwei Jahren. Und unbestimmter als Rem Koolhaas „Elements of Architecture“ 2014. Angetreten, um die Freiräume in der Architektur zu erkunden, sind Yvonne Farrell und Shelley McNamara. Zwei Architektinnen aus Dublin, die seit 1978 gemeinsam das Architekturbüro Grafton führen. International bekannt wurden sie mit ihrem Neubau für die Bocconi-Universität in Mailand. Biennale-Präsident Paolo Baratta hat mit dieser Wahl (wieder) seinen Instinkt für den Zeitgeist bewiesen. Ein weibliche Doppelspitze in #metoo-Zeiten, das passt.

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Die beiden Kuratorinnen der Architekturbiennale 2018: Yvonne Farrell und Shelley McNamara vom Architekturbüro Grafton aus Dublin.
(Foto: Andrea Avezzù)

Die Architektur des Freespace ist großzügig, human, nachhaltig, sie bietet Möglichkeitsräume, die noch nicht festgelegt sind und verschiedenen Nutzungen offenstehen: So jedenfalls definieren Farrell und McNamara sie, in ihrem Manifest zur Biennale-Ausstellung. „Wir glauben, dass jeder das Recht hat, von Architektur zu profitieren“, schreiben sie darin. „Wir sind daran interessiert, über das Visuelle hinauszugehen und die Rolle der Architektur in der Choreographie des täglichen Lebens zu betonen.“ Das klingt alles so vielversprechend wie vage. Vielversprechend, weil hier Qualitäten aufscheinen, die unsere zeitgenössische Alltagsarchitektur zwischen Effizienzmaximierung, Immobilienspekulation und Reglementierungswahn oft nicht mehr zu bieten hat. Und vage, weil dieses Oberthema ja nur den Rahmen setzt für die Hauptausstellung und den verschiedenen Beiträgen genug Luft zum Atmen lassen sollte.

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Ein „Freespace“: International bekannt geworden sind Grafton mit dem Neubau für die Bocconi-Universität in Mailand.
(Foto: Grafton)

Füllen sollen den thematischen Rahmen die von Farrell und McNamara eingeladenen Architekten. Insgesamt 71 Teilnehmer zählt die Schau im Arsenale und im Biennale-Pavillon dieses Mal, hauptsächlich klassische Architekturbüros, darunter viele bekannte Namen aus Europa. Selbstverständlich haben die Kuratorinnen auch Kollegen aus China, Indien, Indonesien, Peru oder Brasilien um Beiträge zur Biennale-Hauptausstellung gebeten. Doch der Schwerpunkt liegt eindeutig auf der westlichen Hemisphäre. Damit wirkt „Freespace“ weniger experimentell und global orientiert als die vorangegangene Ausstellung 2016, für die Alejandro Aravena das Format radikal öffnete. Aus Deutschland sind dieses Mal mit Anna Heringer und Sauerbruch Hutton übrigens zwei Büros vertreten. Doch Manifest oder Teilnehmerliste sagen noch nichts aus über das Entscheidende: ob die Ausstellung denn gelingen wird. Das können die Besucher ab dem 26. Mai in Venedig selbst herausfinden.

FSB lädt Biennale-Besucher wieder in den Berührungspunkte Meetingpoint direkt am Canal Grande. Vom 24. bis 28. Mai ist der historische Palazzo Contarini Polignac jeweils von 9 bis 22 Uhr geöffnet. Weitere Informationen finden Sie auf der Berührungspunkte Webseite.

Die 16. Architekturbiennale in Venedig läuft von Samstag, 26. Mai, bis Sonntag, 25. November 2018. Die Hauptausstellung „Freespace“ und die Länderpavillons in den Giardini und im Arsenale sind an allen Tagen außer montags von 10 bis 18 Uhr geöffnet.