Architektur Museum Iconic Houses Natascha Drabbe

Die Webseite Iconic Houses

Architektur vernetzt

7. Dezember 2017 | Text: Jasmin Jouhar
Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten, 10 Sekunden

Die Webseite www.iconichouses.org ist eine reiche Quelle für Architekturliebhaber und Kulturreisende. Die Niederländerin Natascha Drabbe stellt hier Hausmuseen aus aller Welt vor – architektonisch besonders sehenswerte Wohnhäuser, die öffentlich zugänglich sind. FSB traf Drabbe in Utrecht zum Gespräch über die Ikonen des 20. Jahrhunderts und die Kunst zu netzwerken.

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Natascha Drabbe vernetzt Architekturikonen des 20. Jahrhunderts auf der Webplattform www.iconichouses.org
(Foto: Jeltje Janmaat)

Utrechter Postmoderne
Utrecht, Pieterskerkhof. Um die imposante Backsteinkirche ducken sich lauter Backsteinhäuser, nett anzusehen mit ihren dunklen Türen und weißen Fensterrahmen. Kaum zu glauben, dass in dieser Altstadtidylle eine Ikone der niederländischen Postmoderne steht. Doch im Hof der Hausnummer 8 ist es verborgen, das Wohnhaus des Architekten Mart van Schijndel. Es ist ein Haus ohne Gesicht, denn van Schijndel hat es nahtlos in die dichte Altstadtbebauung eingepasst, inklusive zweier voll verglaster Patios. Dass trotzdem immer wieder Besucher hierher finden, ist Natascha Drabbe zu verdanken. Die Architekturhistorikerin hat das Haus für Interessierte geöffnet. Aber vor allem hat sie 2012 Iconic Houses gegründet, eine Plattform für ausgewählte Hausmuseen wie das Van-Schijndel-Haus. Von A wie Aalto-Haus bis wie W bis Weizmann-Haus sind zahlreiche Ikonen des 20. Jahrhunderts vertreten – einfach zu recherchieren auf der gleichnamigen Webseite.

Netzwerk der Ikonen
Natascha Drabbe hat es sich mit Iconic Houses aber nicht nur zur Aufgabe gemacht, diese Hausmuseen vorzustellen – sie vernetzt auch die Eigentümer der Häuser miteinander, organisiert Vorträge und plant Konferenzen, die sich mit Fundraising oder Sanierungsfragen beschäftigen. Know-how, das dringend nötig ist, um die Wohnhäuser zu erhalten und sie dem Publikum zugänglich zu machen. „Die Leute freuen sich, wenn sie sich bei unseren Konferenzen treffen“, erzählt Drabbe beim Gespräch in der Bibliothek des Van-Schijndel-Hauses. „Sie tauschen sich aus und fangen an, zusammenzuarbeiten. So entstehen Kooperationen wie zwischen dem Melnikow-Haus in Moskau und der Villa Savoye bei Paris. Sie organisieren mittlerweile gemeinsam Ausstellungen.“ Mit Iconic Houses berät Drabbe auch Eigentümer von Architektenhäusern, die nicht öffentlich zugänglich sind: „Wir wollen nicht aus allen besonderen Häusern ein Museum machen, aber wir wollen helfen, sie für die Zukunft zu bewahren“, sagt Drabbe. „Diese Privathäuser sind uns genauso wichtig wie die Museen, auch wenn sie auf der Webseite nicht sichtbar sind.“

Tropical Modernism
Die Arbeit von Iconic Houses finanziert Natascha Drabbe mit Beiträgen von den beteiligten Hausmuseen. Darüber hinaus wirbt sie Sponsorengelder ein und bekommt Unterstützung von Ehrenamtlichen. Sie selbst hat die Plattform 2015 zu ihrem Fulltime-Job gemacht. Das sei schon ein Risiko, aber sie glaubt: „Wenn man etwas nicht voll und ganz macht, wird es nichts.“ So ist sie in Sachen Iconic Houses in der ganzen Welt unterwegs, besucht Häuser, trifft Experten. Zurzeit steht Lateinamerika ganz oben auf ihrem Reiseplan, weil die Architekturmoderne dort großen Einfluss hatte. Sie hofft, weitere potenzielle Kandidaten für Iconic Houses zu finden, schließlich wächst die Plattform kontinuierlich, jeden Monat kommt ein neues Haus hinzu. Ein weltumspannendes Netzwerk ist entstanden – und alle Fäden laufen am beschaulichen Pieterskerkhof in Utrecht zusammen.

Eines der deutschen Mitglieder von Iconic Houses ist das Ungers Archiv für Architekturwissenschaft (UAA) im ehemaligen Wohnhaus von O. M. Ungers in Köln. Das UAA ist auch einer der Gastgeber in Deutschland für die internationalen Iconic-Houses-Vorträge.