Ausstellung Deutsche Filmarchitektur 1918 1933 Tchoban Foundation Museum fuer Architekturzeichnung Berlin

Eine Ausstellung über die Filmarchitektur in der Weimarer Republik

Gedachte Stadt

18. Juni 2019 | Text: Alexander Stumm
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Wenn Dr. Caligari den Blauen Engel trifft, dann geht es auch um Architektur. Das beweist die neue Ausstellung der Tchoban Foundation – Museum für Architekturzeichnung unter dem Titel „Deutsche Filmarchitektur 1918–1933.“ Zu sehen sind Zeichnungen der Szenenbildner Emil Hasler, Robert Herlth, Otto Hunte, Erich Kettelhut, Franz Schroedter und Hermann Warm sowie des Architekten Hans Poelzig. Ihre Architekturvisionen für Filme wie „Der Golem, wie er in die Welt kam“ (1920), „Das Cabinet des Dr. Caligari“ (1920), „Metropolis“ (1927), „Der blaue Engel“ (1930) oder „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ (1931) prägen die Film- und Kulturgeschichte bis heute.

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Die Tchoban Foundation – Museum für Architekturzeichnung in Berlin zeigt Filmarchitektur aus der Weimarer Republik in originalen Zeichnungen.
(Foto: Fanny Harlan)

Einen Raum der Ausstellung widmet die Kuratorin Nadejda Bartels allein den Filmen von Fritz Lang. Vor allem die Architektur für Metropolis ist bahnbrechend und einflussreich für Generationen von Filmemachern. Auf mehreren Ebenen führen Autobahnen durch die Hochhausschluchten, auf den Straßen herrscht ein scheinbar anarchisches Gewusel aus Menschen und Automobilen, Doppeldecker fliegen kreuz und quer durch die Luft. In diesen Erfindungen der 1920er-Jahre scheinen spätere Klassiker des Science-Fiction-Genres wie „Blade Runner“ oder „Das Fünfte Element“ schon angelegt.

Dabei verblüfft die elaborierte, ja meisterliche Ausführung der gezeigten Arbeiten. Denn sie sind eigentlich keine für sich stehenden Kunstwerke, sondern Teil des Prozesses im Filmschaffen. Dies machen die beiden von Kettelhut erstellten Total-Ansichten der Stadt Metropolis augenscheinlich. In der ersten Fassung steht eine Kathedrale als Schauplatz für die Versöhnungsszene zwischen den sozialistischen Arbeitern und der den Kapitalismus verkörpernden Oberschicht im Zentrum des Bildes. Fritz Lang kreuzt sie mit einem Rotstift brachial durch und notiert darüber: „Kirche fort. Dafür Turm Babel.“ Die zweite Fassung zeigt schließlich den Turmbau, der zur Ikone des Films werden sollte.

Es ist eine der Stärken dieser Ausstellung, dass sie den Besucher auch anhand vieler technischer Zeichnungen die Entwicklung dieser meist in Berliner oder Potsdamer Studios gedrehten Filme nahebringt. So sieht man in einem Grundriss von Hermann Warm die Produktionshalle mit den verschiedenen Kulissen für Das Cabinet des Dr. Caligari – sogar die genauen Positionen und Erfassungswinkel der Kamera sind vermerkt. Auf dem gleichen Papier darüber finden sich Perspektiven des Wandaufrisses als konkrete Anleitung für die Bühnenbauer. Paradoxerweise unterstreichen diese als technische Hilfsmittel gedachten Zeichnungen die im Film herrschende düstere Stimmung noch zusätzlich. Das expressionistische Meisterwerk galt Siegfried Kracauer als soziales Psychogramm der Weimarer Republik mit der späteren Hinwendung zum Nationalsozialismus.

Auch mancher Einfluss der sich in Deutschland damals etablierenden Neuen Sachlichkeit und Bauhaus-Moderne lässt sich erkennen. Darüber hinaus zeigen die Zeichnungen dieser sich auf der Höhe der Zeit befindlichen „Filmarchitekten“ die vielfältigen Wechselwirkungen zwischen gedachter und gebauter Stadt und der Filmkunst auf. Nicht nur für Freunde des deutschen Stummfilms ist die mit Leihgaben der Deutschen Kinemathek in Berlin, des DFF – Deutschen Filminstituts & Filmmuseums in Frankfurt und des Architekturmuseums der Technischen Universität Berlin realisierte Ausstellung in der Tchoban Foundation deshalb eine klare Empfehlung – auch Architekturfans haben ihre Freude.

Die Ausstellung ist bis Sonntag, 29. September 2019, in der Tchoban Foundation – Museum für Architekturzeichnung in Berlin zu sehen.