Deutschlandreise Schleswig-Holstein 2016

Deutschlandreise

Lübecker Einzelstücke von Nicola Petereit

20. Juni 2016 | Text: Jasmin Jouhar, Fotos: Jasmin Schuller
Geschätzte Lesezeit: 1 Minute, 55 Sekunden

„Einzelstücke“, so lautete der Titel des Werkberichts von Nicola Petereit anlässlich der FSB-Vortragsreihe „Deutschlandreise“ in Berlin. Treffend gewählt, denn die Architektin vom Büro Haufe Petereit stellte ausschließlich Projekte in der Altstadt ihrer Heimat Lübeck vor: Beim Bauen im historischen Bestand kann es keinen Standard geben, gleicht doch kein Haus dem anderen. Und hinter jeder Wand und unter jeder Diele wartet eine Überraschung. Ein unterhaltsamer Vortrag mit so manch bemerkenswerter Sonderlösung und einem Ausblick auf das geplante Lübecker Neu-Altstadtquartier „Gründungsviertel“.

Architektur Galerie Berlin Satellit FSB Deutschlandreise Vortrag Schleswig-Holstein

Zum ersten Mal war die Architektur Galerie Berlin Schauplatz der FSB-Vortragsreihe Deutschlandreise.

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Bücher von FSB

Schleswig-Holstein war die achte Station auf der Reise durch die Deutschland, die FSB zusammen mit jeweils einem lokalen Architekturbüro unternimmt. Aber diese Ausgabe war zugleich eine Premiere, denn zum ersten Mal hatte FSB in die Architektur Galerie Berlin geladen. „Satellit“ heißt die Anfang des Jahres eröffnete Filiale von Ulrich Müllers Galerie an der Karl-Marx-Allee, die auch künftig Schauplatz der Vortragsreihe sein wird. Ein atmosphärischer Ort, der mit seinen großen Schaufenstern nicht nur zum Dialog mit dem Publikum, sondern auch mit der Stadt einlädt.

Nicola Petereit führt zusammen mit ihrem Mann Jörg Haufe ein auf Sanierungen und Bauen im Bestand spezialisiertes Büro, das dort sitzt, wo auch ihre Projekte sind: in der Lübecker Altstadt. Ihre Räume haben sie in einem der typischen Lübecker „Dielenhäuser“. Knapp 1.000 dieser denkmalgeschützen Reihenhäuser gibt es in der Altstadt, wie Nicola Petereit erzählte: „Wir habe also genug zu tun“. Petereit erwies sich als Expertin für diesen Bauyp, der mit einer hohen Erdgeschosszone viel Raumqualität und Flexibilität bietet. Dessen tiefe Grundrisse und niedrigen Obergeschosse die Planer aber auch vor kniffelige Aufgaben stellen. So war jedes der gezeigten Dielenhaus-Projekte tatsächlich ein Einzelstück, in der Substanz, aber auch im Sanierungskonzept. Ähnlich verhält es sich mit Haufe Petereits Neubauten in der Altstadt, die ebenfalls die Auseinandersetzung mit der jeweiligen Situation suchen, sei es ein Café für das Marzipanhaus Niederegger oder ein Mehrzweckbau für ein Gymnasium.

Zum Abschluss gab Nicola Petereit noch einen Überblick zu den Planungen des „Gründungsviertels“. Für das Neubauquartier mitten in der Lübecker Altstadt mussten zwei Schulen aus der Nachkriegszeit weichen, um Platz zu schaffen für vierzig einzelne Wohnhäuser auf historischen Parzellen. Das Vorhaben ist durchaus umstritten, wie Petereit erzählte, scheint aber einen Bedarf zu erfüllen: „Es gibt einen großen Andrang auf die Grundstücke“, sagte sie. Die ersten 20 sind längst verkauft, die zweiten 20 werden gerade in einem aufwändigen Verfahren vergeben. Petereit gehörte der Jury des Ideenwettbewerbs an, mit dem beispielhafte Fassaden für das Quartier gesucht wurden. Sie sitzt auch im Gestaltungsbeirat, der über die Entwürfe für die alt-neuen Kaufmannshäuser zu entscheiden hat. Ihr salomonisches Fazit: „Ob das Viertel ein Fremdkörper bleibt, wird man erst in 50 Jahren wissen.“

Die nächste „Deutschlandreise“ mit FSB führt am Montag, 21. November 2016 nach Thüringen.