Faszination Aussenstadt | Berlin Urban Protocols

Berlin Urban Protocols

Faszination Außenstadt

27. Februar 2017 | Text: Luise Rellensmann
Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten, 40 Sekunden

Tokio und Brüssel haben nicht viel gemeinsam: In der größten Metropolregion der Welt herrscht Hyperurbanisierung, während rings um die europäische Hauptstadt die typischen Straßendörfer die belgische Landschaft urbanisieren. Trotzdem war es der Auslandsaufenthalt in den zwei vollkommen unterschiedlichen Städten, der David Bauer (30) und Sebastian Weindauer (29) zusammenbrachte. Auf dem einwöchigen Workshop der Wohnungsfrage-Akademie im Berliner Haus der Kulturen der Welt (HKW) 2015 lernten sich der Absolvent der Bauhaus-Universität Weimar und der Masterstudent der TU Berlin kennen. Was die beiden verbindet? Die Faszination für die Außenstadt. Mit der von ihnen konzipierten „No-Image“-Summerschool wollen sie nun die städtischen Randgebiete Berlins erforschen, etwa in Workshops. FSB unterstützt die öffentliche Auftakt-Gesprächsreihe „Berlin Urban Protocols“:  Ab dem 1. März laden Bauer und Weindauer einmal monatlich zur Gesprächsrunde ins Kreuzberger Atelier Fanelsa ein.

Einen inhaltlichen Anknüpfungspunkt beider Veranstaltungsformate (Gesprächsreihe & Summerschool) bildet der im Jahr 2014 vom Senat veröffentlichte „Stadtentwicklungsplan Wohnen 2025 (StEP)“. Kernpunkt des StEP ist der Bau von 10.000 Wohnungen jährlich, um das prognostizierte Bevölkerungswachstum Berlins und den damit verbundenen Wohnbedarf aufzufangen. Die möglichen Standorte für Wohnungsbau liegen dabei jedoch vorzugsweise in der Inneren Stadt und nicht in den von Bauer und Weindauer zum Forschungsgegenstand erhobenen Randbezirken. „Der StEP 2025 benutzt zwar den Terminus Außenstadt und erkennt dessen langfristiges Potenzial an, fokussiert aber dennoch auf die innerstädtische Entwicklung“, sagt Sebastian Weindauer. Bei der Schaffung von neuem Wohnraum sieht er unter anderem das Weiterbauen in den städtischen Randbereichen als ein zentrales Thema. „Bei neu entstehenden Quartieren in peripheren Lagen werden oftmals städtische Typologien wie das Blockrandmodell einfach übertragen“, kritisiert Weindauer. Dabei seien es vor allem Einfamilienhäuser, Siedlungen aus den 50er Jahren oder Zeilenbauten, die die Außenstadt prägen. Er findet, dass an erster Stelle das Ermitteln von Qualitäten stehen sollte und die Frage danach, ob aus den örtlichen Besonderheiten eigene Strategien entwickelt werden können. Die „No-image“-Summerschool soll genau dazu ihren Beitrag leisten: „Hinter dem Titel steckt die Idee, dass Teilnehmer sämtliche Projektionen auf und Vorurteile gegenüber dem städtischen Randraum zunächst zurück auf Null setzen“, so die Forderung der Initiatoren. Während der Summerschool sollen junge Nachwuchswissenschaftler und Studierende an der Seite von Experten einen unvoreingenommenen Blick auf die Außenstadt richten und deren Eigenschaften untersuchen.

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David Bauer und Sebastian Weindauer (von links), die Macher der Gesprächsreihe „Berlin Urban Protocols“.

Die „Berlin Urban Protocols“-Gesprächsreihe dient der öffentlichen Vorbereitung des Themas. Mit der neuen Berliner Landesregierung ergeben sich derzeit veränderte Bedingungen für die Umsetzung des StEP. Die Veranstalter sehen das als einen guten Zeitpunkt, mit den verantwortlichen Planern ins Gespräch zu kommen. Als erster Gast am 1. März ist mit Kurt Nelius aus dem Referat Stadtentwicklungsplanung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen jemand eingeladen, der den StEP 2015 maßgeblich begleitet hat.

Was genau treibt die beiden jungen Architekten an? „In den eineinhalb Stunden wollen wir unsere Architekten-Blase partiell verlassen“, sagt David Bauer „Berlin Urban Protocols ist der Versuch, verschiedene Akteure des gesamten Planungsprozesses – von dem Architekten ja nur ein Teil sind – auf unterhaltsame Art und Weise zusammen zu bringen.“ Schließlich sei es nicht nur der architektonische Entwurf, der den Raum gestalte, sondern vor allem auch die verborgenen Regelwerke dahinter, über die man weder in der Uni noch in der Büropraxis viel erfahre. Bei den Begegnungen geht es Bauer und Weindauer nicht um Konfrontation, sondern darum, mehr über konkrete Planungsprozesse und -werkzeuge zu lernen und andere Interessierte an dem Wissen darüber teilhaben zu lassen. „Berlin Urban Protocols“ ist daher als Roundtable-Format konzipiert bei dem es keine klassische Trennung von Publikum und Vortragenden oder Gesprächsgästen gibt. So können auch die um den Tisch platzierten Zuhörer selbstverständlich mit den geladenen, erfahrenen Akteuren des Außenraums ins Gespräch kommen.

Gesprächsreihe „Berlin Urban Protocols“
Auftakt am Mittwoch, 1. März 2017, 19 Uhr
mit Kurt Nelius, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin
Atelier Fanelsa, place / making
Bergfriedstr. 17, Berlin