Hans Poelzig | Ausstellung im Museum fuer Architekturzeichnung Berlin

Eine Ausstellung mit Zeichnungen von Hans Poelzig in Berlin

Kraftvoll leuchtend


28. September 2018 | Text: Bettina Krause
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Von der Türklinke bis zum Schauspielhaus: Das Berliner Museum für Architekturzeichnung zeigt eine Ausstellung über den Architekten Hans Poelzig. Unter dem Titel „Hans Poelzig. Projekte für Berlin“ sind zahlreiche Zeichnungen zu sehen, die seinen Rang als bedeutender deutscher Architekt der Moderne belegen.

Heinrich Tessenow, Bruno Taut, Martin Gropius, Ludwig Mies van der Rohe und – Hans Poelzig. Poelzig (1869 – 1936) gehörte zu den bekanntesten deutschen Baumeistern seiner Zeit und unterhielt sein eigenes Architekturbüro. Daneben war er auch als Maler, Bühnenbildner, Filmarchitekt und Hochschullehrer tätig. Ihm widmet das Museum für Architekturzeichnung in Berlin nun die Ausstellung „Hans Poelzig. Projekte für Berlin“. Sie ist eine Kooperation mit dem Architekturmuseum der Technischen Universität Berlin und vom 18. Oktober 2018 bis zum 3. Februar 2019 zu sehen. „Die Zeichnung spielte damals wie heute eine grundlegende Rolle für die Tätigkeit eines Architekten“, erklärt die Kuratorin Nadejda Bartels. „Wir leben heute im digitalen Zeitalter, und die meisten Architekturzeichnungen werden mit CAD-Programmen erstellt. Vor der digitalen Revolution gehörte die Kunst der Handzeichnung fest zum Beruf eines Architekten“, so die Kuratorin. Dass die Architekturstudenten damals eine klassische Ausbildung im Zeichnen genossen, zeigen in der Ausstellung studentische Skizzenbücher von Hans Poelzig, die „noch etwas zurückhaltend und romantisch wirken“, sein zeichnerisches Talent aber bereits zur vollen Entfaltung bringen.

Hans Poelzig Zeichnung Drawing Haus des Rundfunks Berlin Architektur Architecture Tchoban Foundation

Haus des Rundfunks, Berlin-Charlottenburg, Perspektivische Ansicht entlang der Masurenallee ca. 1928/29, Kohle auf Transparentpapier, 72,7 x 147,9 cm (Zeichnung: Architekturmuseum der TU Berlin)

Großes Talent bewies Poelzig auch bei seinen Entwürfen für Türklinken wie dem „Reichsform-Drücker“, der 1930 für das von ihm geplante Verwaltungsgebäude der IG Farben in Frankfurt am Main entstand – heute ist dort der Campus Westend der Goethe-Universität untergebracht. Die klassische Form des handschmeichelnden, ovalen Griffquerschnitts gefällt noch immer, denn sie entspricht dem zeitlosen Stil zahlreicher Architekten. FSB hat seit einiger Zeit ein Redesign im Programm, das Modell FSB 1242. Mit feinem Gespür variierte der britische Architekt John Pawson das Gestaltungsvokabular dieses bekannten Türdrückers der Moderne. Er belebte ihn für FSB neu mit seinem aus edler Bronze gefertigten Entwurf.

Hans Poelzigs weitreichender Einfluss im Design und in der Architektur ist bis heute spürbar. „Das Besondere an seinem Werk ist, dass man dieses nicht immer einer bestimmten Stilrichtung zuordnen kann – so unterschiedlich sind seine Projekte“, erklärt Nadejda Bartels. „So unterrichtete er auch seine Studenten. Jedes Bauwerk sollte so entworfen werden, als sei es das erste. Der zeichnerische Stil von Poelzig mit seinen kraftvollen Kohlestrichen und leuchtenden Pastellfarben kann jedoch am ehesten dem Expressionismus zugeordnet werden.“

Im Fokus der Ausstellung steht sein Wirken in und für Berlin, das in der Zwischenkriegszeit bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten viele Kreative aus der ganzen Welt anzog. „Das Leben und das Werk von Hans Poelzig sind untrennbar mit Berlin verbunden. Er wurde hier geboren, studierte an der Technischen Hochschule Architektur und lebte er mit seiner Familie in Berlin-Westend“, so Bartels. „Für die Stadt entwickelte er viele seiner bedeutendsten Projekte wie das Schauspielhaus in Berlin-Mitte und das Haus des Rundfunks. Einige seiner Entwürfe, etwa für das Messegelände oder das Hochhaus an der Friedrichstraße wurden nicht realisiert. Seine Zeichnungen verdeutlichen, mit welcher genauen Ort- und Grundstückskenntnis der Architekt an die Planung herangegangen ist, so dass sich die Projekte aussagekräftig, aber dennoch harmonisch in das Stadtbild fügten.“

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Hochhaus am Bahnhof Friedrichstraße, Berlin-Mitte, Perspektivische Ansicht, 1921, Kohle auf Transparentpapier, 109,9 x 77,5 cm (Zeichnung: Architekturmuseum der TU Berlin)

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Innenraumstudie, Perspektivische Ansicht, Pastellkreide, Bleistift auf Papier auf Karton, Undatiert, 58,1 x 37,4 cm (Zeichnung: Architekturmuseum der TU Berlin)

Neben Poelzigs ersten studentischen Ornamentskizzen sind in der Ausstellung auch Bühnenbildentwürfe und imposante Präsentations-Perspektiven zu sehen. Sie spiegeln die Vielseitigkeit Poelzigs wieder, sie kommt nicht nur in verschiedenen Stilrichtungen und Zeichenmaterialien zum Ausdruck, sondern auch in den Funktionen der von ihm geplanten Gebäude. Poelzig, als einer der bedeutendsten deutschen Architekten der Moderne, entwarf vom kleinen Wohnhaus über Kultur- und Verwaltungsbauten bis zu den großen städtebaulichen Entwürfen – und nicht zuletzt auch Türklinken, die zu wahren Klassikern avancierten.

Die Ausstellung „Hans Pelzig. Projekte für Berlin“ ist vom 18. Oktober 2018 bis 3. Februar 2019 in der Tchoban Foundation. Museum für Architekturzeichnung in Berlin zu sehen. FSB unterstützt die Ausstellung.

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Der britische Architekt John Pawson hat Hans Poelzigs Reichsformdrücker für FSB neu belebt, als Modell FSB 1242. Hier zu sehen in Bronze. (Foto: FSB)