Material Experiment | Der Architekt Pritzker-Preistraeger Shigeru Ban aus Japan

Porträt des japanischen Architekten und Pritzker-Preisträgers Shigeru Ban

Material und Experiment

19. Februar 2018 | Text: Tim Berge, Fotos: Hiroyuki Hirai
Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten, 15 Sekunden

FSB wagt sich an ein ganz neues Material: Carbon. Der japanische Architekt und Pritzker-Preisträger Shigeru Ban hat die neue Türdrücker-Familie FSB 1262 entwickelt, die Carbon mit Aluminium verbindet. Wir stellen Shigeru Ban und seine innovativen Projekte in einem Porträt vor.

Shigeru Ban ist ein Phänomen: Kaum ein Architekt ist so vielfältig, so experimentierfreudig und innovativ wie der gebürtige Tokioter. Seine Bauwerke behaupten sich im Spannungsfeld zwischen Konstruktion und Kunst, Innovation und Tradition sowie Exklusivität und humanitären Engagement. Diese Vielseitigkeit zeichnet sich auch in der großen Bandbreite seiner Projekte ab, die von Privathäusern über Museen, Kirchen, Kaufhäuser, Schulen, Bürobauten bis hin zu Notunterkünften für Opfer von Naturkatastrophen reicht. Keine Frage, Ban, der 2014 mit dem Pritzker-Preis ausgezeichnet wurde, gehört zu den bedeutendsten Architekten unserer Zeit.

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Das „Curtain Wall House“ von 1995 machte Shigeru Ban international berühmt.

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2014 zeichnete die Jury des renommierten Pritker-Preises den japanischen Architekten aus.

Sein eigenes Büro gründete Shigeru Ban 1985, nachdem er an der Cooper Union in New York unter Architekten wie Ricardo Scofidio, Peter Eisenman und John Hejduk, seinem großen Vorbild, studiert hatte. Er war es auch, der Ban mit Bauten aus Papier in Kontakt brachte. Zum ersten Mal setzte Ban Papierröhren 1986 bei der Zusammenarbeit mit dem japanischen Modedesigner Issey Miyake ein. In den Folgejahren entwickelte er eine Papierröhrenkonstruktion, die 1994 von den Vereinten Nationen als Notunterkunft für Flüchtlinge des ruandischen Bürgerkriegs eingesetzt wurde. Bis heute wurde das Leichtbausystem in unzähligen Katastrophen- und Kriegsgebieten auf der ganzen Welt verwendet – nicht nur als Schutzunterkunft, sondern auch zum Bau von temporären Schulen, Kirchen und sogar einem Konzertsaal in der von einem Erdbeben zerstörten italienischen Stadt L’Aquila.

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Für den neuen Türdrücker FSB 1262 kombiniert Shigeru Ban Aluminum mit einer Handhabe aus Carbon.
(Foto: FSB)

Dem Einsatz innovativer Materialen und dem humanitären Engagement liegt eine entscheidende architektonische Komponente zugrunde: Bans intensive Auseinandersetzung mit Raum, Hülle und Struktur. In frühen Projekten wie dem PC Pile House (1992), Wall-Less House (1997) und Naked House (2000) lotet er die Grenzen des architektonischen Verständnisses eben jener drei Faktoren aus. Die Räume dieser Häuser sind offen und flexibel nutzbar, die Wände haben sich aufgelöst und die Struktur findet ihren vollen Ausdruck in einem übergreifenden Dachelement. Beim Curtain Wall House (1995), das ihn international berühmt machte, sind die Gebäudeumrisse nur noch mit Vorhängen markiert, die über zwei Geschosse reichen.

Die Idee offener und flexibler Innenräume sowie Fassaden und strukturell wie materiell innovativer Dachkonstruktionen findet sich auch in den Bauwerken, die Ban nach 2000 schuf. Dazu zählen Projekte wie das Nicolas G. Hayek Center in Tokio (2007), das Tamedia Office Building in Zürich (2013), das Aspen Art Museum in Colorado (2014) oder das erst kürzlich fertig gestellte Mt Fuji World Heritage Centre im japanischen Shizuoka. Die Fokussierung auf die ästhetische und nachhaltige Verbesserung der gebauten Umwelt bildet den roten Faden im Werk des japanischen Architekten.

Die materialbezogene Innovationsfreude findet sich auch in dem Türdrücker, den Shigeru Ban für FSB entworfen hat. Er kombinierte dafür den Hightech-Werkstoff Carbon mit Aluminium, die neben ihrem technologischen Charakter durch ihre Festigkeit und ihr geringes Gewicht glänzen. Durch ihre besonderen Eigenschaften kann die Handhabe von FSB 1262 als materialsparende Hohlform hergestellt werden, ohne an Stabilität zu verlieren. Auch haptisch ist der Türdrücker ansprechend: Ban belässt die verwendeten Carbon-Fasermatten in ihrer feinen Webstruktur und lackiert sie nicht. Ein wunderbares Zusammenspiel aus Tradition, Innovation und Nachhaltigkeit.