Vom Be-Greifen der Dinge | Die Schweizer Baumuster-Centrale Zuerich

Die Schweizer Baumuster-Centrale Zürich

Vom Be-Greifen der Dinge

25. April 2018 | Text: Katharina Sommer, Fotos: Schweizer Baumuster-Centrale
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Das historische „Weberhaus“ im Zürcher Stadtkreis 4: Hier residiert die Schweizer Baumuster-Centrale, kurz SBCZ. Über zwei Geschosse verteilt findet der Besucher Materialmuster, Exponate und Konstruktionssysteme. Es darf gestöbert, angefasst und entdeckt werden; damit bietet die Baustoffsammlung eine inspirierende Fundgrube für Architekten und Planer. Und das schon seit über achtzig Jahren. Wir werfen einen Blick zurück und stellen die alteingesessene Zürcher Institution vor – seit vergangenem Jahr gehören auch FSB-Produkte zum Programm.

In den 1930er Jahren zeigte sich das Baugewerbe in der Schweiz alles andere als florierend. Dennoch entschieden sich eine Hand voll Mitglieder des BSA (Bund Schweizer Architekten) 1935 zur Gründung der „demonstrativen Propagandastelle des Baugewerbes“, wie die SBCZ ganz zu Beginn genannt wurde. Als ständige Ausstellung sollte sie den 1929 vom BSA erstmals herausgegebenen Bauteilkatalog für Architekten ergänzen. War man damals noch auf Vertreter und Prospektsendungen angewiesen, bot die Baufachausstellung ihren Besuchern nun Produkte, Konstruktionen und Materialien zum Anfassen und Vergleichen. Diese Form der dauerhaften Präsentation war neu und eine Seltenheit.

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Das historische „Weberhaus“ im Zürcher Stadtkreis 4: Hier residiert die Schweizer Baumuster-Centrale, kurz SBCZ.

Die SBCZ bezog Räume an der Talstrasse 9, unweit des Paradeplatzes und sollte dort bis 2010 bleiben. Mit den Wirtschaftsboom nach dem Zweiten Weltkrieg wandelte sie sich zur Publikumsmesse und wollte „dem Bauherrn und seinen Beratern bei der Bestimmung der einzelnen Elemente und baulichen Details eine nützliche Hilfe sein“, wie es in der Schrift zum 25jährigen Jubiläum hieß. Die Besucher konnten zu dieser Zeit noch ganze Küchen und Badausstattungen begutachten. Das Fachpublikum rückte damit jedoch immer mehr aus dem Fokus, und die SBCZ verlor an Bedeutung. In den 1980er Jahren war sie schließlich zu einem Ort für Wohnberatung mutiert. Der einstige im Konzept zur Gründung formulierte Anspruch „Produkte, prototypische Konstruktionen und innovative Materialien zum ‚Be-Greifen‘ und ‚Er-Leben‘ für Planende und Kreative jederzeit im Maßstab 1:1 zugänglich“ zu machen, war damit hinfällig. Die SBCZ hatte sich von der Baumaterial- und Baustoffmusterausstellung zur Schalterberatung mit Prospektdienst gewandelt.

Vor etwa zehn Jahren erfolgte dann die Neuausrichtung, die SBCZ wurde zu dem, was sie heute ist: eine vielseitige Baustoffsammlung und -bibliothek. Dazu passte auch der Umzug Ende 2010 vom noblen Bankenviertel in den Kreis 4, womit sie nicht nur inhaltlich, sondern auch mit ihrem Standort wieder näher an das Fachpublikum aus Architekten und Ingenieuren rückte. Ergänzend zu den Materialmustern und Mock-ups, die regelmäßig aktualisiert werden und ausgeliehen werden können, organisiert die SBCZ ein Programm aus Veranstaltungen und temporäre Schwerpunktausstellungen. Darin werden neben neuen Entwicklungen und Produkten auch Anwendung am gebauten Beispiel vorgestellt und diskutiert.

In Zeiten der maximalen Informationsverfügbarkeit im Internet tut es hin und wieder gut, die Dinge im wahrsten Sinne des Wortes selbst in die Hand zunehmen. Haptik, Optik, Geruch und Gewicht zu spüren, macht eben doch einen Unterschied. Es stöbert sich gut in der SBCZ, und sei es nur, um sich ein wenig inspirieren zu lassen.

In ihrer Reihe „Einblicke“ zeigt die SBCZ ab Freitag, 27. April 2018, die Ausstellung „Begreifbare Baukunst. Die Bedeutung von Türgriffen in der Architektur“, zusammengestellt von FSB. Die Schau zeigt ausgewählte Türdrücker aus 200 Jahren Jahren Architekturgeschichte und läuft bis Mittwoch, 6. Juni 2018. Zur Eröffnung am Donnerstag, 26. April 2018, spricht Wolfram Putz vom Architekturbüro Graft.