Workshop der Hochschule Wismar bei FSB | Von der Klinke lernen

Workshop der Hochschule Wismar bei FSB

Von der Klinke lernen

22. März 2017 | Franz Schneider Brakel GmbH + Co KG
Geschätzte Lesezeit: 2 Minuten, 15 Sekunden

Im Alltag achtet kaum einer auf die Türklinke. Sie wird benutzt, fertig. Und doch steckt in dem bescheidenen Gebrauchsgegenstand sehr viel Fachwissen. Wie viel, das erfuhren die Studierenden von der Hochschule Wismar, die kürzlich bei FSB in Brakel einen dreitägigen Workshop absolvierten. Das Ziel: eine eigene Klinke für ein Haus im Ostseebad Ahrenshoop zu entwerfen.

Ausgangspunkt des Projekts war ein Masterentwurf an der Fakultät Gestaltung unter der Leitung von Professorin Bettina Menzel. Es galt, ein neues Nutzungs- und Gestaltungskonzept für die Ortsmitte Ahrenshoop zu entwickeln. Die Gemeinde auf dem Darß wünschte sich einen Neubau mit einem multifunktionalen Saal für rund 200 Menschen, der die bestehende „Strandhalle“ ersetzen oder ergänzen soll. Kino, Musik, Konzerte, Festspiele, Tanz- und Literaturtage sollen hier einen neuen Ort finden. Es soll ein Treffpunktpunkt für Ahrenshoop entstehen, mit dem sich sowohl Einheimische als auch Touristen identifizieren können. Initiiert wurde das Projekt von Bettina Menzel gemeinsam mit Marion Schael vom Kunstmuseum Ahrenshoop und dem Ahrenshooper Kurdirektor Roland Völker.

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Studierende von der Hochschule Wismar bei der Arbeit in Brakel (Foto: Christian Riepe)

Auf Basis einer detaillierten theoretischen Analyse, die auf den Genius Loci des Darß mit seinen Besonderheiten eingeht, wurden die Entwürfe für die neue Ortsmitte Ahrenshoop entwickelt, die den Ort inhaltlich und gestalterisch repräsentieren und zur zeitgemäßen Baukultur im Ostseeraum beitragen können. Schön auch der Arbeitstitel des Projekts: „Cinema Paradiso“. Ergänzt wurde der Entwurf mit der Aufgabe, eine zum Haus passende Türklinke zu entwerfen. Und wo könnten die Studenten diese Aufgabe besser erledigen, als bei FSB in Brakel? In einem dreitägigen Workshop entwickelten die Studierenden ausgehend von einer ersten Skizze ganze Beschlagserien. Sie umfassten nicht nur Standardtürdrücker für Innentüren, sondern auch Fenstergriffe, Rahmentürdrücker und Fluchtürdrücker nach DIN EN 179.

Gemeinsam mit dem FSB-Designer Hartmut Weise und Wolfgang Reul, verantwortlich für das Projektmanagement Architektur, erhielten die Studierenden zunächst einen Einblick in die Produktion. Hier lernten sie beispielsweise die Unterschiede und Besonderheiten bei den Fertigungsprozessen von Aluminium, Edelstahl, Messing und Bronze kennen. Im Anschluss gab es einen Einblick in die Produktwelt von FSB: Türklinken mit und ohne elektronische Zutrittskontrolle sowie barrierefreien Griffsysteme für Bäder. Besonders komplex: die Einführung in das Regelwerk der Normen. Ralf Emmerich, stellvertretender Leiter der FSB-Produktentwicklung, erklärte die relevanten DIN-EN-Normen, die insbesondere bei Türklinken für Funktionstüren (Feuerschutz-, Notausgangs- und Paniktüren) eine bedeutende Rolle spielen.

Neben dem theoretischen Input erhielten die Studierenden auch ganz praktische Unterstützung bei der Entwicklung und Umsetzung ihrer eigenen Entwürfe. Dabei bemerkten sie schnell, wie viel Fachwissen selbst in einem so kleinen Gegenstand wie einem Türdrücker steckt. Mit Hilfe von Wolfgang Reul und Hartmut Weise gelang es nach kleineren und größeren Hürden schlussendlich jedem Studenten, einen funktionstüchtigen Beschlag umzusetzen. Die Entwürfe wurden bei FSB als Eins-zu-eins-Modelle auf einer Lasersinter-Anlage geplottet und allen Teilnehmern als 3D-Drucke zur Verfügung gestellt. Bei der Entwurfspräsentation in Ahrenshoop konnte jeder Student seine eigene Türklinkenfamilie im Maßstab 1:100 bis 1:1 vorstellen. Im Januar 2018 werden die Ergebnisse des Brakeler Workshops auf der Kölner Möbelmesse „imm cologne“ auf dem Stand der Hochschule Wismar ausgestellt.

Teilnehmende Studierende:
Patrick Ehlert, Linda Schroll, Anastasia Belz, Anika Dierks, Viktorya Lysenko, Madeline Merten, Steffani Weiß, Anke Schneider, Thomas Wedel, Nora Krüger, Sophia Berner, Maryam Noshiravani